23. Februar 2026

Flachdach Leckortung, Dichtheitsprüfung und Monitoring 2026

Systematische Schadensanalyse bei Bitumenabdichtungen, Anschlussdetails mit Flüssigkunststoff und die strategische Bedeutung der Time-to-Detection in der Jahrestagung der ILD Group 2026

Ein Monitoring Sensor auf einem begrünten Flachdach.

Warum wir reale Schadensfälle systematisch zerlegen

Moderne Flachdächer sind keine reinen Abdichtungsebenen mehr.
Sie sind multifunktionale Systeme: Witterungsschutz, Energiegewinnung, Retention, Begrünung und technische Nutzung greifen ineinander.

Mit jeder zusätzlichen Funktion steigt die Komplexität – und damit die Anfälligkeit für Detailfehler.

Undichtigkeiten entstehen heute selten durch spektakuläres Materialversagen.
Sie entstehen an Übergängen. An Anschlüssen. An Schnittstellen zwischen Gewerken.

Genau deshalb analysieren wir einmal jährlich reale Leckortungs- und Monitoringprojekte im Detail – gemeinsam im Team und im Austausch mit externen Flachdach-Sachverständigen.

Diese Treffen sind kein Rückblick auf vergangene Baustellen.
Sie sind Teil unseres Qualitätssystems.

Wir diskutieren:

konkrete Schadensmechaniken
Messgrenzen unterschiedlicher Verfahren & Interpretationsspielräume
Wechselwirkungen zwischen Abdichtung, Nutzung und Monitoringdaten

Nur durch diese strukturierte Auseinandersetzung lassen sich Messpräzision, Datenintegration und Risikobewertung kontinuierlich weiterentwickeln.

Führungsrolle entsteht nicht durch Erfahrung allein –
sondern durch die Bereitschaft, Erfahrung immer wieder zu hinterfragen.

Eine Seminarsituation, Mitarbeiter fotografiert von hinten hören bei einem Vortrag zu, Bilder und Text werden auf eine Leinwand gebeamt.

Die wiederkehrenden Beobachtungen aus den Projekten haben wir gebündelt.
In diesem Artikel stellen wir die wesentlichen Erkenntnisse kompakt dar.

Bitumenabdichtungen in der Praxis: robust, aber detailabhängig

Bitumenabdichtungen gehören zu den bewährtesten Systemen im Flachdachbau.
Ihre Langzeitperformance hängt wesentlich von Materialqualität, Aufbau und Belastungssituation ab.

Für die Dauerhaftigkeit spielen unter anderem eine Rolle:

  • Alterungsverhalten

  • UV-Belastung

  • thermische Wechselbeanspruchung

  • chemische Einflüsse

In der Analyse kurzfristiger Undichtigkeiten, insbesondere bei Dichtheitsprüfungen im Neubau oder nach Sanierungen, zeigte sich jedoch ein differenziertes Bild:

Die Mehrzahl der festgestellten Undichtigkeiten war nicht materialbedingt, sondern detail- und ausführungsbedingt.

Typische Schadenszonen

Anschlüsse an aufgehende Bauteile
01
Übergänge zwischen Bitumenbahn und Flüssigkunststoff
02
Durchdringungen technischer Installationen
03
Bewegungsfugen
04
Unzureichend verschweißte Nähte
05
Mechanische Beschädungen von Drittgewerken
06

Mechanische Beschädigungen

Ein zentrales Risiko bei Neubau-Dichtheitsprüfungen

Ein besonders relevanter Punkt bei Neubau-Dichtheitsprüfungen ist die mechanische Beschädigung der Abdichtung.

In zahlreichen Fällen entstehen diese nicht während der Abdichtungsarbeiten selbst, sondern durch nachfolgende Gewerke:

  • Montage von Photovoltaik-Unterkonstruktionen

  • Installation von Lüftungs- und Klimatechnik

  • Geländer- oder Absturzsicherungssysteme

  • Wartungsarbeiten auf der Dachfläche

Diese Beschädigungen sind häufig punktuell, klein und zunächst unsichtbar.

Ohne messtechnische Prüfung bleiben sie oft unentdeckt – bis Feuchtigkeit in Dämmung oder Innenräume eindringt.

Gerade deshalb ist die Dichtheitsprüfung bei Bauabnahme ein entscheidender Qualitätsschritt.

Sie trennt konstruktive Vermutung von messbarer Sicherheit.

Flüssigkunststoff an Anschlüssen

Flüssigkunststoffsysteme bieten konstruktive Vorteile

Flexible Anpassung an komplexe Geometrien
Nahtlose Detailausbildung
Hohe Haftfähigkeit

In der Praxis zeigen sich jedoch typische Sensibilitäten:

  • Unzureichende Untergrundvorbereitung

  • Restfeuchte bei Verarbeitung

  • Spannungszonen an Materialwechseln

  • Fehlende Berücksichtigung von Bewegungen

Der Austausch mit einem externen Flachdach-Sachverständigen verdeutlichte insbesondere die Sensibilität der Übergangszone zwischen Bitumenbahn und Flüssigkunststoff.

Dieser Bereich stellt einen hybriden Detailpunkt dar – konstruktiv anspruchsvoll und messtechnisch differenziert zu bewerten.

Dichtheitsprüfung im Neubau

Systemische Prüfung statt Stichprobe

Die Dichtheitsprüfung im Neubau erfolgt in einem Zeitpunkt, in dem Schäden noch ohne Folgekosten korrigierbar sind.

Nicht jedes Prüfverfahren bietet dabei die gleiche Aussagequalität.

Die präzisesten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Abdichtungsebene in ein geschlossenes Prüfsystem integriert ist.

In der Praxis bedeutet das:

Diese Kombination ermöglicht:

Flächige und systematische Prüfung
Exakte Punktlokalisierung
Reproduzierbare Messergebnisse
Minimale Eingriffstiefe

Ohne definierte leitfähige Referenzebene bleiben elektrische Prüfverfahren stärker abhängig von Randbedingungen und Flächenzustand.

Mit integrierter leitfähiger Schicht wird die Abdichtung zu einem messbaren System – nicht zu einer punktuell überprüften Fläche.

Gerade bei großen Dachflächen mit technischer Nutzung entsteht so eine belastbare Ausgangsbasis für spätere Wiederholungsmessungen und Monitoringkonzepte.

Prüfverfahren im Vergleich

Nachweis oder exakte Lokalisierung?

Hochspannungsverfahren

  • Geeignet zum Nachweis einer Beschädigung

  • Abhängig von trockenen Bedingungen

  • Nur anwendbar, wenn keine Auflast vorhanden ist

Mehr dazu hier

Elektroimpulsverfahren (EFVM®)

  • Exakte Punktlokalisierung

  • Reproduzierbare Ergebnisse

  • Geeignet für mehrschichtige Dachaufbauten

  • Unter den meisten Bedingungen einsetzbar

  • Gerade bei Nahtproblemen die aussagekräftigere Messmethode

  • Nur anwendbar, wenn keine Auflast vorhanden ist

Mehr dazu hier

Der Unterschied zwischen „Beschädigung vorhanden“ und „Leckstelle exakt hier“ ist in der Praxis wirtschaftlich erheblich.

Monitoring und Time-to-Detection (TTD)

Vom Schaden zum steuerbaren Parameter

Leckortung reagiert auf einen bestehenden Schaden.
Monitoring verändert die Risikostruktur eines Gebäudes.

Time-to-Detection (TTD) beschreibt die Zeitspanne zwischen Eintritt einer Undichtigkeit und deren Erkennung.

Je länger diese Phase,

  • desto größer die Durchfeuchtung.

  • desto höher die Dämmstoffschädigung.

  • desto umfangreicher die Sanierung.

  • desto höher der Nutzungsausfall.

Qualität entsteht durch Austausch

Unsere jährlichen Fachtreffen sind mehr als ein Austausch.
Sie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Qualitätssicherung.

Wir analysieren reale Projekte, vergleichen Messergebnisse, diskutieren Grenzfälle und binden externe Sachverständige ein.

Erfahrungen werden nicht gesammelt –
sie werden systematisch reflektiert und in Messpraxis sowie Monitoringintegration überführt.

Unsere jährlichen Fachtreffen sind deshalb mehr als ein Austausch – sie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Qualitätssicherung und der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Leckortung, Dichtheitsprüfung und Monitoring.

Im Vordergrund lächelt ein Vortragender während seiner Ausführung, ebenso ein Zuhörer im Hintergrund.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter einer Flachdach Leckortung?

Die messtechnische Lokalisierung einer Undichtigkeit in der Abdichtungsebene, ohne großflächige Öffnung des Dachaufbaus.

Was ist eine Dichtheitsprüfung im Neubau?

Die systematische Prüfung der Abdichtung vor Bauabnahme zur Sicherstellung der funktionalen Dichtheit – insbesondere zum Ausschluss mechanischer Beschädigungen durch nachfolgende Gewerke.

Die höchste Aussagequalität wird erreicht, wenn die Abdichtungsebene in ein geschlossenes Prüfsystem integriert ist. Eine elektrisch leitfähige Schicht in Kombination mit dem Elektroimpulsverfahren (EFVM®) ermöglicht eine flächige, reproduzierbare und punktgenaue Prüfung.

Wann entstehen mechanische Beschädigungen besonders häufig?

Typischerweise durch nachfolgende Gewerke bei der Montage technischer Aufbauten oder bei Wartungsarbeiten. Unsachgemäße Materiallagerung, insbesondere von Drittgewerken ist problematisch.

Was bedeutet Time-to-Detection (TTD) im Flachdach Monitoring?

Time-to-Detection“ beschreibt die Zeitspanne zwischen dem Eintreten einer Undichtigkeit und ihrer ersten zuverlässigen Erkennung.

Worin liegt der Unterschied zwischen Hochspannungsprüfung und EFVM?

Beide Verfahren ermöglichen eine präzise Lokalisierung von Beschädigungen, arbeiten jedoch unter unterschiedlichen Randbedingungen.

Die Hochspannungsprüfung setzt eine trockene Abdichtung voraus und erkennt eine Beschädigung, wenn ein elektrischer Durchgang möglich ist. Offene Nähte ohne vorhandene Feuchtigkeit können dabei unter Umständen nicht erfasst werden.

Das Elektroimpulsverfahren (EFVM®) wird unter feuchten Bedingungen durchgeführt. Dadurch befindet sich in Naht- oder Kapillarbereichen meist leitfähige Feuchtigkeit, sodass auch solche Schadensmechaniken detektiert werden können.