25. März 2026

Warum moderne Flachdächer kontrollierbar bleiben müssen

Dachgeschichten: Experten-Interview mit Ullrich Kämmer

Moderne Flachdächer erfüllen heute weit mehr Aufgaben als früher. Sie tragen Photovoltaikanlagen, werden begrünt oder dienen als technische Plattform für Gebäudetechnik.

Mit dieser zusätzlichen Nutzung steigt jedoch auch die Komplexität der Dachaufbauten – und damit das Risiko, dass Schäden an der Abdichtung lange unentdeckt bleiben.

Gerade bei begrünten oder technisch genutzten Flachdächern ist die Abdichtung nach der Fertigstellung kaum noch kontrollierbar. Umso wichtiger werden systematische Dichtheitsprüfungen und dauerhaftes Flachdach-Monitoring, mit denen sich Undichtigkeiten frühzeitig erkennen lassen.

Wir haben mit Ullrich Kämmer, Geschäftsführer der ProtectSys GmbH, darüber gesprochen, warum diese Themen in der Branche zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Geschäftsführer Ullrich Kämmer lachend, mit verschränkten Armen und zur Seite blickend vor einer grünen Wand.

Flachdach-Monitoring einfach erklärt: Wie lassen sich komplexe Technologien verständlich machen?

Wie würdest du einem fünfjährigen Kind erklären, was unsere Sensoren machen?

Wenn es um hochentwickelte Technologien im Bauwesen geht, ist eine einfache Erklärung oft die größte Herausforderung. Ullrich Kämmer greift dabei auf ein Bild zurück, das sofort verständlich ist:

UK:

Stell dir vor, es gibt einen Superhelden mit ganz vielen Sinnen – viele Augen und viele Ohren. Immer wenn irgendwo ein Problem entsteht, merkt er das sofort und hilft den Menschen.

Genau so arbeiten unsere Systeme. Wir bauen Sensoren in Dächer ein, die ständig darauf achten, ob Feuchtigkeit in die Abdichtung eindringt. Wenn etwas passiert, wird das sofort erkannt – und das Gebäude bleibt trocken.

Was spielerisch klingt, beschreibt im Kern eine Technologie, die für viele moderne Gebäude immer wichtiger wird. Flachdach-Monitoring-Systeme integrieren Sensorik direkt in den Dachaufbau und überwachen dauerhaft den Zustand der Abdichtung. Dadurch können Veränderungen frühzeitig erkannt werden – oft lange bevor sich sichtbare Schäden im Gebäude zeigen.

Schäden im Flachdach früh erkennen: Wann zeigt sich der Nutzen von Monitoring besonders deutlich?

Welcher „Aha-Moment“ hat dir zuletzt gezeigt, wie wichtig diese Technologien sind?

In der Praxis zeigt sich der Nutzen von Monitoring-Systemen häufig in Situationen, in denen Schäden sehr früh erkannt werden können.

UK:

Diese Momente gibt es eigentlich regelmäßig. Immer dann, wenn unsere Sensoren ein Problem melden und wir dadurch schnell reagieren können.

In vielen Fällen wird ein Schaden erkannt, bevor Feuchtigkeit große Bereiche der Dämmung durchdringt. Für Bauherren bedeutet das: ein kleines Problem kann früh behoben werden – statt später eine große Sanierung durchführen zu müssen.

Gerade bei Flachdächern kann sich Feuchtigkeit über lange Zeit unbemerkt ausbreiten. Wird ein Schaden erst spät entdeckt, sind häufig große Bereiche der Dämmung betroffen. Die Folge sind aufwendige Sanierungen, lange Bauzeiten und hohe Kosten.

Monitoring-Systeme im Flachdach können diese Risiken deutlich reduzieren, weil sie die Zeit zwischen Schaden und Entdeckung erheblich verkürzen, Stichwort „Time to Detection“.

Retentionsdach Schichtaufbau: Abdichtung, Retentionsboxen, Filtervlies, Substrats, Vegetation.
Eine Abdichtung ist unter Retention und Begrünung nicht sichtbar!

Dichtheitsprüfung im Flachdach ist bereits im Neubau entscheidend

Wo siehst du die häufigsten Missverständnisse bei Planung, Ausführung und Prüfung von Flachdächern?

UK:

Viele Planer erkennen heute bereits, dass vor dem Aufbringen von Auflasten – zum Beispiel Begrünungen oder technischen Anlagen – unbedingt eine Dichtheitsprüfung erfolgen sollte.

Das Problem ist jedoch: In diesem Bereich fehlt häufig Erfahrung. Außerdem existieren bislang kaum verbindliche Fachregeln für Prüfmethoden. Deshalb werden teilweise Verfahren eingesetzt, die kein wirklich verlässliches Prüfergebnis liefern.

Für Bauherren entsteht dadurch eine trügerische Sicherheit.

Gerade bei begrünten oder technisch intensiv genutzten Dächern wird die Abdichtung nach der Fertigstellung oft dauerhaft überdeckt. Eine spätere Kontrolle ist dann nur noch sehr eingeschränkt möglich. Umso wichtiger ist es, bereits im Neubau sicherzustellen, dass die Abdichtung tatsächlich funktional dicht ist. Zusätzlich sollten Vorkehrungen getroffen werden, um die Abdichtung kontrollierbar zu machen.

Dachbegrünung und Photovoltaik machen moderne Flachdächer immer schwerer kontrollierbar

Was ist aktuell die größte Herausforderung für Flachdächer in der Praxis?

Die Nutzung von Dachflächen verändert sich derzeit stark. Immer mehr Gebäude nutzen ihre Dächer aktiv – beispielsweise für Dachbegrünungen, Photovoltaikanlagen oder technische Aufbauten.

Diese Entwicklung bringt viele Vorteile für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen für die Kontrolle der Abdichtung.

UK:

Die größte Herausforderung besteht darin, dass moderne Dächer immer stärker genutzt werden – zum Beispiel durch Dachbegrünungen oder Photovoltaik-Anlagen.

Sobald diese Systeme installiert sind, ist die Abdichtung nicht mehr sichtbar und oft sehr schwer zugänglich. Gleichzeitig wissen viele Bauherren und auch Planer nicht, dass dadurch die spätere Kontrolle deutlich schwieriger wird.

Die Folge: Schäden bleiben häufig lange unentdeckt und werden erst sichtbar, wenn Feuchtigkeit bereits in das Gebäude eingedrungen ist.

Ein begrüntes Flachdach mit einer PV Anlage wird mithilfe eines Sensors dauerhaft überwacht.

Zukunft der Flachdächer: Welche Rolle spielen Dichtheitsprüfung und Monitoring?

Welches Thema wird in den nächsten fünf Jahren besonders an Bedeutung gewinnen?

Für Ullrich Kämmer ist die Entwicklung klar absehbar.

UK:

Ganz klar: Dichtheitsprüfung und Monitoring im Flachdach.

Durch Begrünungen, Photovoltaik und technische Aufbauten entstehen neue Belastungen für die Abdichtung. Gleichzeitig steigen die Kosten für Schäden erheblich.

Deshalb wird es immer wichtiger, Dächer so zu planen, dass ihre Dichtheit überprüfbar bleibt und Probleme früh erkannt werden können.

Mit der zunehmenden Nutzung von Dachflächen wird die Kontrollierbarkeit der Abdichtung zu einer zentralen Planungsfrage.

Technologien zur Dichtheitsprüfung und zum Flachdach-Monitoring ermöglichen es erstmals, Dächer nicht nur zu bauen – sondern ihren Zustand dauerhaft zu überprüfen und Schäden frühzeitig zu erkennen.

3 Gründe

Dauerhaft verdeckte Abdichtungen

z.B. durch Dachbegrünung

01
Erschwerte Wartung und Inspektion

z.B. durch Photovoltaikanlagen

02
Zusätzliche Schwachstellen wie Durchdringungen

z.B. durch technische Aufbauten

03

Warum sind Flachdächer heute schwieriger zu kontrollieren?

Über den Gesprächspartner

Ullrich Kämmer ist seit 2019 Geschäftsführer der ProtectSys GmbH und beschäftigt sich seit 34 Jahre intensiv mit Flachdach-Abdichtungen und deren technischer Kontrolle.

Als Praktiker aus der Flachdachbranche kennt er die typischen Herausforderungen moderner Dachkonstruktionen aus erster Hand. Dieses Wissen nutzt er heute, um zusammen mit Klaus Burger und dem gemeinsamen Team Lösungen zu entwickeln, die Dächer langfristig prüfbar und kontrollierbar machen.

Sein Fokus liegt insbesondere auf:

  • Entwicklung und Anwendung moderner Flachdach-Monitoring-Systeme

  • Planung von Dichtheitsprüfsystemen für Abdichtungen

  • Integration von Sensorik in begrünte und technisch genutzte Dächer

  • Beratung von Planern und Bauherren bei komplexen Dachprojekten

Gemeinsam mit seinem Team arbeitet er daran, Technologien weiterzuentwickeln, die helfen, Undichtigkeiten frühzeitig zu erkennen und Flachdächer dauerhaft zu schützen.

Ihr Ansprechpartner
Ullrich Kämmer, CEO ProtectSys +49 6021 62619 72 ullrich.kaemmer@protectsys.de Kontakt aufnehmen